Wachstums- & Entwicklungssprünge … wenn die Welt Kopf steht

Bedürfnis nach Nähe, Hunger, Durst, nasse/schmutzige Windel … Babys weinen, wenn sie etwas brauchen oder ihnen etwas nicht gut tut. Eine andere Möglichkeit auf sich aufmerksam zu machen, haben sie zunächst nicht. Doch was ist, wenn das Baby sicher in den Armen der Bezugsperson liegt, gerade gestillt und gewickelt worden ist und dennoch schreit, als wolle die Welt herabstürzen? Das Weinen wird zu einem Kreischen und kurz darauf presst das kleine Wesen nur noch angestrengt und tonlos die Luft aus den Lungen.

Als wir das erste Mal eine solche Situation erlebten, saß ich mit unserer kleinen Tochter auf dem Bett und flehte verzweifelt darum, dass mir mein „Mutterinstinkt“ doch sagen möge, was zu tun ist… Ich kann heute nicht mehr sagen, wie lange es dauerte, doch irgendwann beruhigte sie sich und schlief erschöpft in meinen Armen ein. In dieser Nacht tat ich kein Auge zu. Ich beobachtete jede Bewegung, sofort bereit, mit ihr ins Krankenhaus zu fahren. Am darauffolgenden Tag fuhr ich zum Kinderarzt und holte mir Rat. Zwischenzeitlich war mein Mädchen wieder ganz entspannt und wirkte ganz normal.

An die ersten Worte unseres Kinderarztes kann ich mich noch gut erinnern: „Oh, da haben wir aber ein kleines Sensibelchen.“ (Wobei er das ganz und gar liebevoll aussprach). Es war so ca. um die 9. Lebenswoche herum und der Radius, in dem unsere kleine Dame scharf sehen konnte, hatte sich nun vergrößert. Es prasselten also deutlich mehr Informationen auf sie ein, die es zu verarbeiten galt. (Selbstverständlich wurde sie auch auf mögliche Krankheiten untersucht!)

Seither wird jeder Entwicklungs- und Wachstumssprung durch heftige Schreianfälle begleitet. Die Entwicklung bzw. das Wachstum löst es aus, ihre Sensibilität verstärkt es. Natürlich wurde uns bereits geraten, wir sollen das Kind auch einmal schreien lassen (weil es die Lungen stärken würde und weil unsere Tochter sonst nie lernen würde, alleine mit Problemen klar zu kommen…). Zum einen müsste ich die stärksten Lungen der Welt haben, denn ich habe als Baby viel geweint (bin dennoch Asthmatikerin geworden) und zum anderen hat ein so kleines Wesen (9Monate) noch kein Langzeitgedächtnis. Dieses wäre jedoch erforderlich, damit sie sich in künftigen Problemsituationen an die Bewältigung eines Schreianfalles zu erinnern kann.

Wir halten es vielmehr so, dass wir unsere Tochter durch die Sprünge begleiten. Ein Kind möchte durch die Unruhe und das Weinen nicht provozieren! Es bittet um Hilfe, denn seine Welt steht Kopf! Wie eingangs erwähnt, kann sich ein Baby nicht anders äußern. Es braucht viel Einfühlungsvermögen. Über die Monate habe ich mir nun ein paar hilfreiche Strategien erarbeitet, die diese schwierige Zeit erleichtern sollen. Sollte es also Dir/Euch ähnlich gehen, nehmt Euch, was Euch hilfreich erscheint:

  • Kenne Dein Kind!
    Wie ist Dein/Euer Kind? Ist es fröhlich, gelöst, entspannt oder mutig, forsch und unruhig? Beobachtet es liebevoll und lernt es kennen.
  • Erste Anzeichen erkennen
    Sobald das Verhalten dauerhaft anders als „normalerweise“ ist, kann das ein Anzeichen für einen Sprung sein. Unzufriedenheit, Unruhe und Überdrehtheit könnten solche Anzeichen sein.
  • Erledige alle wichtigen Dinge
    Sobald ich die ersten Anzeichen erahne, erledige ich alle wichtigen Dinge, die etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen (Einkauf, wichtige Telefonate, Papierkram). Während eines Sprungs habe ich weder den Kopf noch die Nerven dafür.
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  • Vertrautheit schaffen
    Wir haben uns für das Stillen eine gemütliche Ecke eingerichtet, in die wir uns auch bei Schreianfällen verziehen. Abdunkelbar, geringer Geräuschpegel, gemütlicher Schaukelstuhl etc.
  • Schütze Dich!
    12 Stunden am Tag Gemecker und 1-2 Stunden angeschrien werden… das macht etwas mit uns (auch, wenn es unsere Kleinen nicht absichtlich tun)! Wut, Verzweiflung, Stress, Müdigkeit… all das lässt uns dann weniger liebevoll reagieren. Ich habe für ganz krasse Fälle immer ein paar Ohrenstöpsel griffbereit (nur die hohen Töne werden so herausgefiltert). Mein Handy (Freundin anrufen, wenn gar nichts mehr geht!) und etwas zu trinken liegen auch immer parat.
  • Tu Dir Gutes!
    Dein/Euer Kind ruht sich etwas aus? Super, nutze die Zeit für Dich/Euch! Ruht Euch aus. Ich dachte am Anfang, ich müsste in der Zeit die Wäsche machen, wischen, Küche putzen (eben alles, wozu ich in der trubeligen Zeit nicht komme). Gönne Dir mindestens immer die ersten 15 Minuten der Pause. Bitte IMMER die ERSTEN!
  • Selbstsicherheit ja, Routine nein!
    Traue Dir selbst in Deiner Beobachtungsgabe und Handlungsfähigkeit aber lasse NIEMALS Routine einkehren! Es ist immer möglich, dass hinter einem Schreianfall auch ein krankhafter Hintergrund steckt. Routine lässt uns manchmal blind werden. Immer Rücksprache mit dem Arzt suchen!

Bis bald.

Ciao. Susann

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